Leitet Herunterladen der Datei einVerlaufsplanung LEKO 2017

Ein Schlüssel für zukunftsorientierte Ausbildung

Im Jahre 1994 haben Lehrer der Städtischen Kollegschule Wuppertal-Barmen - heute Berufskollegs Werther Brücke - und Ausbilder von regionalen Ausbildungsbetrieben damit begonnen, durch neue Formen der Zusammenarbeit die duale Erstausbildung im Bereich der Metallberufe umzugestalten. Das Ziel dieser "Lernortkooperation LEKO" ist es, die Auszubildenden auf die sich verändernden Qualifikationsanforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten. Durch die aktuelle Entwicklung im Bereich moderner industrieller Erwerbsarbeit werden heutzutage neue Forderungen an die Mitarbeiter gestellt. So wird erwartet, dass die Mitarbeiter neben solidem Fachwissen über berufsübergreifendes vernetztes Denken verfügen, dass sie teamfähig sind, kritisch mitdenken, kreativ mitgestalten und bei hoher Flexibilität dazu bereit sind, berufliche und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Auszubildende sollen diese Qualifikationen bereits im Laufe ihrer Ausbildung erwerben, so die Absicht der Lernortkooperation LEKO. Bei den Aktivitäten von LEKO handelt es sich um eine durchgehende, auf den gesamten Zeitraum der dualen Ausbildung bezogene andere Strukturierung beruflicher Erstausbildung. Dabei werden von den Lehrern des Berufskollegs Werther Brücke und den Ausbildern der regionalen Ausbildungsbetriebe nicht nur didaktisch/ methodische Neuerungen entwickelt und erprobt, es werden auch Verfahren entwickelt, mit denen die zeitliche Organisation der Ausbildung flexibler gehandhabt werden kann. Als Ergebnis wurden für die Grundstufe und die Fachstufen I und II eigens konzipierte und aufeinander abgestimmte "LEKO-Elemente" entwickelt.

  • Phasenunterricht (1. Ausbildungsjahr)

Beim Phasenunterricht wird der zweite Berufsschultag zeitlich zu zwei Blöcken zusammengefasst. Im ersten Halbjahr wird ein dreiwöchiger und im zweiten Halbjahr ein zweiwöchiger Block unterrichtet. Der erste Berufsschultag bleibt dabei unverändert und läuft während des gesamten Schuljahres durch. Arbeitsgruppen aus Lehrern und Ausbildern entwickeln Lernsituationen und geeignete Übungen, mit denen die Schülerinnen und Schüler in Schule und Betrieb zur Teamarbeit und zur Anwendung neuer Lern- und Arbeitstechniken geführt werden können. Es werden berufsübergreifende Schülergruppen gebildet, bei denen die Auszubildenden der einzelnen Betriebe möglichst zusammenbleiben sollen. Als Beispiel einer handlungsorientierten Aufgabenstellung sei hier genannt: Durchführung und Auswertung von Werkstoffuntersuchungen mit der Integration von Bereichen aus Werkstofftechnik und Informationstechnik. Die Verbindung von Theorie und Praxis wird unter Einbindung der betrieblichen Möglichkeiten qualifiziert in der Fertigungstechnik umgesetzt.

  • Kursmodul (2. Ausbildungsjahr)

Didaktisch-methodische Absicht beim Kursmodul ist, unter Beteiligung von Experten aus Betrieben und Institutionen, regional bedeutsame Technologien und Verfahren unterrichtlich zu thematisieren und realitätsnah erfahrbar zu machen. Die Zeitdauer des Kursmoduls beträgt vier bis fünf Tage. Die Vorbereitung kann je nach Situation sowohl im Betrieb wie in der Schule erfolgen, die Nachbereitung bzw. Dokumentation erfolgt im Regelfall in der Schule. Erfahrungen mit Kursmodulen wurden z. B. in der thematischen Verbindung von Qualitätsmanagement mit Fertigungs- und Werkstofftechnik gesammelt. So wurde das Problem des Schleifens dünnwandiger Lagerringe behandelt. Durch die Wärmeeinwirkung beim Schleifen können an den Ringen Härteveränderungen hervorgerufen werden. Der Prozess muss durch Methoden des Qualitätsmanagements sicher beherrscht werden. Die Lernprozesse werden so gestaltet, dass den Schülerinnen und Schülern unter Anwendung professioneller Lern- und Arbeitstechniken der komplexe inhaltliche Zusammenhang zwischen der konkreten betrieblichen Realität und den theoretischen Hintergründen erfahrbar gemacht wird. Die Vorbereitung und Durchführung des Lernprozesses erfolgt in intensiver Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Ausbildern und den betrieblichen Experten. Durch diese besondere Art der Kooperation erhalten die Lehrer einen unmittelbaren Einblick in aktuelle betriebliche Organisations- und Fertigungsstrukturen. Die hierbei gewonnenen Informationen finden ihren Niederschlag bei den Planungen für die Nutzung vorhandener Ressourcen an den Lernorten Schule und Betrieb und darüber hinaus auch bei schulischen Investitionsentscheidungen.

  • Lerninselprojekt (3. Ausbildungsjahr)

Lerninselprojekte sind Abbild betrieblicher Gruppenarbeitsprozesse. In diesen "Lerninseln" arbeiten Gruppen von vier bis fünf Auszubildende, die aus verschiedenen Berufen und verschiedenen Betrieben kommen, mit einem Schüler der Fachschule für Technik (angehender Maschinenbautechniker) zusammen. Die Dauer des Lerninselprojekts beträgt eine Woche; zusätzlich kommt ein Präsentationstag hinzu. Die Planungsarbeit wird in der Regel in der Schule durchgeführt, die Fertigung des Produkts in einem für die Auszubildenden "fremden" Betrieb. Beim Lerninselprojekt handelt es sich um die Bearbeitung eines mit einer hohen Gestaltungsfreiheit verbundenen realen Entwicklungsauftrags eines Betriebes. Diese Konstellation ist mit einer Aufgabenstellung verbunden, die inhaltlich tradierte Berufsgrenzen überschreitet und Rahmenbedingungen aufweist, die eine Lösung nur im Gruppenprozess zulässt. Der hierdurch gegebene "Zwang" zur Zusammenarbeit führt dazu, dass Human- und Sozialkompetenzen einen hohen Stellenwert erhalten. In der Tatsache der Fertigung in fremden Firmen kann man die Simulation eines Arbeitsplatzwechsels sehen, dies gilt sowohl innerbetrieblich wie auch für den Fall eines eventuellen späteren Firmenwechsels. So lernen die Schüler z.B., sich gezielt zu informieren und rasch und flexibel auf nur zum Teil bekannte bzw. vorhersehbare Bedingungen einzustellen (Maschinen, Werkzeuge, Organisationsformen ...)

  • Resümee

Die äußerst positive Resonanz bei allen Beteiligten, nicht zuletzt natürlich bei den Schülerinnen und den Schülern, wird als Indiz dafür gesehen, dass man sich in Wuppertal auf dem richtigen Weg befindet. Die Lehrer des Berufskollegs Werther Brücke und die Ausbilder von nunmehr 18 aktiv beteiligten Betrieben haben sich im Laufe des Prozesses besser kennen- und schätzen gelernt. In Wuppertal hat sich eine konstruktive "Kooperations- und Kreativitätskultur" entwickelt. Uwe Harms, OStD (Berufskolleg Werther Brücke), Walter Braun (Sprecher der Ausbilder)

 

Das LEKO-Konzept in der Öffentlichkeit

  • ERFA-Kreis der IHK
  • Qualifizierungskonferenz in der Bergischen Region
  • "Regionalbüro" des Arbeitsamtes
  • Symposion "Didaktik in technologischen Bildungsgängen" im LSW Soest
  • "Wuppertal GmbH" im Rahmen des Projekts "Lernortverbund"
  • Delegation der chinesischen Gesellschaft für internationale Verständigung CAFIU
  • Schul- und Kulturdelegation aus Südkorea
  • Tagung zur Hochschuldidaktik in Nürnberg
  • Pädagogische Fachtagung in Cottbus
  • Interschul 98, Dortmund
  • Arbeitskreis Schule/Wirtschaft
  • Qualifizierungszentrum QRZ Rheinhausen
  • Pädagogische Konferenz des DMT- Berufskollegs Recklinghausen
  • Tagung mit Frau Minsterin Behler, Herrn Minister Clement und Vertretern der regionalen Wirtschaft
  • Ausstrahlung von zwei Berichten im regionalen Fernsehprogramm
  • Berichte in der regionalen Presse und in Werkszeitschriften

 

Lerninselprojekt 1998 - Eindrücke eines Auszubildenden

Die Aufgabe: Eine Prüfvorrichtung bauen, die 5000-mal ein Bit in eine Aufnahme schieben und wieder herausziehen soll. Fünf Mann, die sich nicht kennen, einige vielleicht gerade mal vom Sehen. Kennen lernen, Abtasten. Wo arbeitest du? Lernst du auch Industriemechaniker? Wir sollen einen Entwurf verfassen. Ideen, Skizzen, Lösungen, Details, und wieder werden die Gedanken verworfen. Nach zwei Tagen Planung in der Berufsschule haben wir die Lösung auf dem Papier erarbeitet. Jetzt noch drei Tage in einem fremden Betrieb und wir sind fertig. Haben wir alle Materialien, die wir brauchen? Hier sind ja ganz andere Maschinen! Und wo sind die Toiletten? Änderungen der Pläne, Gedankenfehler, Schwierigkeiten - Ernüchterung? In Zweierteams wird jetzt gearbeitet, das bringt Sicherheit. Die ersten Teile sind fertig und werden zusammengebaut. Es klappt langsam. Die Stimmung wird besser, aber die Zeit wird knapp. Jetzt übernimmt jeder eine eigene Aufgabe. Die Zeit reicht nicht - schade, so knapp vor der Ziellinie! Wir können einen Tag länger arbeiten - super! Am Wochenende werden die Zeichnungen ins Saubere übertragen. Am Montag läuft alles bestens. Dann Funktionskontrolle. Es klappt nicht! Wieso? Der Fehler wird gefunden, ein paar Änderungen und es klappt! Jubel, Shakehands. Wir haben es geschafft! Wir sind stolz und planen schon die Präsentation. Wir sind in ein paar Tagen zum Team zusammengewachsen. Das Lerninselprojekt hat uns Spaß gemacht und wir haben eine Menge dazugelernt.

 

Und dann erfahren wir, dass viele Firmenchefs und der Oberbürgermeister zur Präsentation kommen. Und auch zwei Minister!

 

LEKO ist super!